Interview mit Alexandra Gorev, B.A.
1. Zurzeit streben Sie eine Karriere als Künstlerin an. Können Sie uns etwas über Ihre Planungen und Ziele verraten? Inwiefern sind Ihnen dabei die Grundlagen Ihres Japanologie-Studiums von Nutzen?
Ich plane, in den nächsten Jahren eine Solo-Ausstellung durchzuführen und an diversen Artist-Residency-Programmen, darunter in Shanghai und Japan, teilzunehmen. Die Grundlagen des Studiums haben mir vor allem gezeigt, wie ich mich selbst gut organisiere und professionelle Texte gestalte. Wenn ich z.B. Artist Statements schreiben muss, ist mir nun eher klar, was die andere Seite kritisieren würde. Das hilft mir, reflektierter an eigenen Projekten zu arbeiten.
2. Wie haben Sie zu der Kombination aus Japanologie und Kunst gefunden?
Diese Kombination kam wie von alleine, da einerseits mein Nebenfach Kunstgeschichte ist und ich andererseits bereits kurz vor dem Japanologie-Studium angefangen hatte, im Atelier HeART LAB in Frankfurt zu arbeiten.
3. Im Sommersemester 2025 haben Sie Ihre Bachelorarbeit zum Thema „Ayashii als ästhetisches Konzept in der gegenwärtigen japanischen Malerei: Motivik und Figuren bei Otake Ayana, Okamoto Toko und Yamashina Rie.“ eingereicht. Wie gestalteten sich hierbei Materialrecherchen und die Themenfestlegung?
Bevor ich die Bachelorarbeit anfing, hielt ich mich für ca. zwei Monate im Rahmen meines Studiums in Sendai auf. Dort ließ ich mich von vielen Buchgeschäften inspirieren, da ich in jedem einzelnen Geschäft die Kunst- und Illustrationsabteilungen durchstöberte. Dementsprechend habe ich unzählige Artbooks erworben, darunter eine Buchreihe zu gegenwärtigen Nihonga-Malerinnen, welche die drei von mir behandelten Künstlerinnen vorstellte.
4. Hatte diese Arbeit Einfluss auf Ihre Kunst?
Ja, durchaus! Mein aktuelles Werk „Ecxia“, das ich im Herbst 2025 beendet habe, ließ sich komplett durch das Konzept Ayashii (Enigmatisch-Unheimliches) inspirieren. In dem Bild versuchte ich, eine mysteriöse Atmosphäre zu kreieren. Das Model dafür war meine Freundin aus Sendai – Hikari.
5. Hat Ihnen der Japanologie-Abschluss dabei geholfen, sich unter anderen Künstlern / in der Künstlerszene zu profilieren?
Sicher ein Alleinstellungsmerkmal, Bevorzugungen kann ich aber bislang nicht bestätigen.
6. Können Sie ein paar Hinweise zum Thema Praktika geben und inwiefern Sie außeruniversitäre Tätigkeiten beeinflusst haben?
Man sollte sich unbedingt bemühen, einen Ort für das Praktikum zu finden, der einen wirklich interessiert. Es klingt offensichtlich und trotzdem machen es nicht ganz so viele. Man darf sich vor allem durch 2-5 Absagen nicht abschrecken lassen. Ich habe beispielsweise über 20 Plätze angeschrieben, von denen ich nur zwei Antworten und davon nur eine Zusage von einem Studio erhielt. Der Ablauf in einem japanischen Studio hat mich interessiert, da ich als Tätowiererin hier in Deutschland arbeite.
7. Zu welchem Zeitpunkt wussten Sie, welche Richtung Sie einmal einschlagen möchten?
Tatsächlich war es mir schon von klein auf klar. Mir wurde oft gesagt, dass ich bestimmt Künstlerin werde. Ich habe das einfach akzeptiert, da ich sonst nicht wusste, was ich noch gut kann. Zwischendurch wollte ich etwas lernen, was einem „mehr Erfolg“ bringt, konnte mich jedoch nicht dazu bewegen, für etwas anderes Interesse zu entwickeln – bis ich dann mit zwölf Jahren von dem Fach Japanologie erfuhr! Seitdem haben mich primär nur diese zwei Berufswünsche begleitet; ob man so erfolgreich werden kann, wird sich noch herausstellen.
8. Kontakte gelten als etwas Unverzichtbares; wie wichtig waren persönliche Beziehungen für das, was Sie heute machen?
Irgendwo muss ja jeder anfangen, Kontakte zu knüpfen, es sein denn, man ist familiär begünstigt. Das war bei mir nicht der Fall, weshalb ich mich selbst viel bemühen musste. Ich habe mit meinem Portfolio über zwanzig verschiedene Wettbewerbe und Open Calls angeschrieben, bis ich endlich auf Resonanz stieß.
9. Was war das Wichtigste, das Sie im Verlauf Ihres Studiums gelernt haben?
Prüfe alles lieber einmal zu viel als zu wenig! Eine gründliche Recherche ist die Basis jeder wissenschaftlichen Tätigkeit. Auch in der Kunst erweist sich das als sehr praktisch, bestimmte Techniken, Farbwirkungen und Schattenformen vorab zu recherchieren und nicht einfach drauflos zu arbeiten.
10. Hätten Sie rückblickend während Ihrer Studienzeit gerne etwas anders gemacht?
Ich bin sehr glücklich darüber, wie mein Studium verlaufen ist, und würde kaum etwas ändern. Vielleicht hätte ich noch ein bisschen mehr mitgeschrieben und alles eingeordnet, um einen leichteren Zugriff auf die vermittelten Informationen zu haben. Netterweise haben die Kommilitonen mir immer ausgeholfen, wenn es mal problematisch wurde!
11. Was würden Sie Japanologie-Studierenden heute mit auf den Weg geben wollen?
Meine Empfehlung wäre, immer dranzubleiben. Wenn einen eine Sache aufrichtig interessiert, werden sich Wege finden, damit später erfolgreich zu sein – solange man mit viel Leidenschaft dafür brennt! Ebenso ist es wichtig, sich auch auf sozialer Ebene auszutauschen, um schwere Prüfungszeiten nicht alleine durchzumachen.
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