Interview mit Anahita Estiri, B.A.
Anahita Estiri, die bereits seit einiger Zeit am Hugo Sinzheimer Institut (HSI) der Hans-Böckler-Stiftung tätig ist, trug Anfang Januar zum Blog über die Absolventen und Absolventinnen bei. Ihre 2022 abgeschlossene Bachelorarbeit behandelte das literaturwissenschaftliche Thema „Kultur- und Identitätsdiskurse in Mishima Yukios Essays“. Als Studentin der Literaturwissenschaften und des Japanischen Rechtes verfügt sie über entsprechende Kompetenzen, so dass sie ihr Aufgabenfeld gut bewältigen kann. Anahita Estiri obliegt die Planung, Organisation und Betreuung von Institutsveranstaltungen, die dazugehörige Finanzverwaltung sowie darüber hinaus u.a. die Pflege und Weiterentwicklung der Institutswebsite bzw. der Content-Erstellung und der Umsetzung der Social-Media-Strategie.
1. Zurzeit arbeiten Sie beim Hugo Sinzheimer Institut für Arbeits- und Sozialrecht (Hans-Böckler-Stiftung). Können Sie uns etwas über Ihre Aufgaben und Beschäftigungsbereiche verraten?
Das Hugo Sinzheimer Institut (HSI) ist ein wissenschaftliches Institut der Hans-Böckler-Stiftung (HBS). Die zentrale Aufgabe des Instituts liegt in der Erforschung des Arbeits- und Sozialrechtsud betrifft die Verhältnisse zwischen Arbeitgebern, Beschäftigten, Gewerkschaften und Betriebsräten. Das Institut richtet regelmäßig teilweise hochkarätige Veranstaltungen aus wie z.B. Vorlesungen, Foren und Tagungen. Zu meinen Aufgaben zählen die Planung, Organisation und Betreuung dieser Veranstaltungen sowie die zugehörige Finanzverwaltung. Darüber hinaus bin ich im Bereich Öffentlichkeitsarbeit tätig, einschließlich der Pflege und Weiterentwicklung der Institutswebsite, der Content-Erstellung sowie der Umsetzung der Social-Media-Strategie.
2. Hat Ihnen der Japanologie-Abschluss dabei geholfen, sich von anderen Bewerbern um die aktuelle Stelle positiv abzuheben?
Das Institut pflegt Kooperationen mit Universitäten und Forschenden in Japan sowie mit der Deutsch-Japanischen Gesellschaft für Arbeitsrecht. In diesem Zusammenhang hat mein Japanologie Studium sicherlich einen positiven Akzent gesetzt. Ausschlaggebend für meine Einstellung war jedoch vor allem die Kombination aus Japanologie und Rechtswissenschaft sowie meine langjährige Berufserfahrung in einer Anwaltskanzlei.
3. Wie wichtig sind Ihre Kenntnisse über Japan für Ihre derzeitige Arbeit?
Für meine täglichen Aufgaben sind spezifische Japan-Kenntnisse nicht zwingend erforderlich. Sie sind jedoch hilfreich im Umgang mit japanischen Forschenden, insbesondere wenn diese zu Gast am Institut sind, da sie interkulturelles Verständnis und eine souveräne Kommunikation erleichtern.
4. Wie haben Sie im Studium zu Ihrer Fächerkombination Japanologie und Rechtswissenschaft gefunden?
Ich hatte schon immer ein ausgeprägtes Interesse an Recht und Gesetz. Durch meine Tätigkeit in einer Anwaltskanzlei konnte ich früh praktische Einblicke gewinnen. Die Rechtswissenschaft war daher eine naheliegende Nebenfachwahl, die mein Profil aus meiner Sicht sinnvoll ergänzt und geschärft hat.
5. 2022 haben Sie Ihre Bachelorarbeit zum Thema „Kultur- und Identitätsdiskurse in Mishima Yukios Essays ‚Ein Land ohne Moral‘, ‚Japan und Japaner sollten gelobt sein‘ und ‚Ende schlecht, alles schlecht‘“. Hatte diese Arbeit in irgendeiner Form Einfluss auf Ihren Berufseinstieg?
Direkt hatte die Bachelorarbeit keinen Einfluss auf meinen Berufseinstieg. Sie bietet jedoch häufig einen guten Ausgangspunkt für anregende Gespräche. In dem beruflichen Umfeld, in dem ich heute tätig bin, ist Mishima Yukio allerdings vergleichsweise wenig bekannt.
6. Noch einmal zum Studium nachgefragt: Ist es im Japanologiestudium wichtiger, eine eigene Nische zu haben oder ein eher breit angelegtes japanwissenschaftliches / wissenschaftliches Profil auszubauen?
Das hängt stark von den individuellen beruflichen Zielen und Lebensumständen ab. Persönlich halte ich es für vorteilhaft, eine eigene Nische zu entwickeln und sich zu spezialisieren. Diese klare Profilbildung wurde in Bewerbungsgesprächen bislang stets positiv aufgenommen.
7. Der Berufseinstieg stellt für viele Studierende heute eine Herausforderung dar: Wie bereitet man sich am besten darauf vor?
Die Vorbereitung sollte idealerweise bereits während des Studiums beginnen. Ehrenamtliches Engagement, aktive Teilnahme am universitären Leben sowie Fort- und Weiterbildungen sind entscheidende Faktoren. Alles, was das eigene Profil schärft und von anderen Bewerbenden abhebt, ist wertvoll.
Mein vielseitiger Werdegang hat mir nicht nur beim Berufseinstieg geholfen, sondern auch beim Erhalt mehrerer Stipendien und sogar bei der Wohnungssuche. Besonders hilfreich waren Weiterbildungen im Bereich Buch- und Medienpraxis mit Schwerpunkten auf Eventmanagement und Öffentlichkeitsarbeit sowie meine langjährige ehrenamtliche Tätigkeit bei Nippon Connection e. V., die mir praxisnahe Erfahrungen für meine heutige Position vermittelt haben.
8. Kontakte gelten als etwas Unverzichtbares: Wie wichtig waren persönliche Beziehungen für das, was Sie heute machen?
Mein Netzwerk lag lange Zeit vor allem im Bereich der Literatur- und Medienbranche, wobei auch dort der Berufseinstieg nicht einfach war. Meine aktuelle Position habe ich jedoch ohne persönliche Kontakte oder Empfehlungen erhalten.
9. Zu welchem Zeitpunkt wussten Sie, welche berufliche Richtung Sie später einmal einschlagen möchten?
Mein Bachelorstudium begann ich primär aus Interesse an japanischer Literatur. Mein Berufswunsch hat sich im Laufe der Zeit mehrfach verändert; beeinflusst durch persönliche Erfahrungen und veränderte Lebensumstände. Ein klarer Plan ist hilfreich, aber ebenso wichtig ist die Fähigkeit, flexibel zu bleiben und sich neu zu orientieren, wenn sich Ziele oder Rahmenbedingungen ändern.
10. Was war das Wichtigste, das Sie im Verlauf Ihres Studiums gelernt haben?
Besonders prägend waren die sogenannten Soft Skills: selbstständiges Arbeiten, die Fähigkeit, sich strukturiert in neue Themen einzuarbeiten, Texte kritisch zu lesen und analytisch zu reflektieren. Das Japanologie Studium bietet zudem zahlreiche Möglichkeiten zur persönlichen Weiterentwicklung. In meinem Fall war die Teilnahme am Buchclub im zweiten Semester eine der wichtigsten Entscheidungen, die mich nachhaltig geprägt hat.
11. Was würden Sie Japanologie-Studierenden heute raten bzw. mit auf den Weg geben wollen?
Ich würde Studierenden raten, eine echte Begeisterung für ein Thema zu entwickeln und diese konsequent zu vertiefen. Zusätzliche Kurse, Arbeitsgemeinschaften, Weiterbildungen und Praktika sind enorm wertvoll, denn im späteren Berufsleben fehlt dafür oft die Zeit. Zudem sollte das Nebenfach bewusst und strategisch gewählt werden, sodass es das eigene Profil sinnvoll ergänzt und die beiden Studienfächer miteinander harmonieren.
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